Melanchthonstraße 5/7, Hotel Plauener Hof/Frauenklinik



Karlstraße 62, Plauen

Baujahr: 1901-05  |  Bauherr: Ferdinand und Max Härtel  |  Architekt: Oscar Usbeck

Karlstraße 62, Treppenhaus

Restaurant Plauener Hof, um 1903

Karlstraße 62, Terrazzofußboden

Vorentwurf von 1903

Lochkartenlager VEB Spitzen und Stickereien Plauen

Das Gebäude vor der Sanierung



Am 19. September 1901 wurde vom Städtischen Bauamt ein Entwurf freigegeben, der die Errichtung des Hotel- und Restaurantkomplex „Plauener Hof” vorsah. Als Entwurfsverfasser kann der in Plauen geborene und in Berlin tätige Architekt Oskar Usbeck genannt werden. Zwar findet sich auf keiner Zeichnung der historischen Bauakten seine Unterschrift, die Konsole auf der rechten Gebäudeseite offenbart jedoch seinen Namen.

Nach einer ca. einjährigen Bauphase entstand zunächst die Melanchthonstraße 7. Die oberen Etagen verfügten dabei über zahlreiche Gästezimmer. Im Erdgeschoss befanden sich das Weinrestaurant, Spiel- und Gesellschaftszimmer, eine Billardraum und zwei Veranden mit entsprechenden Terrassen. Das Kellergeschoss verfügte über diverse Bier-, Fleisch-, Rot- und Weißwein- sowie Eis- und Konservenkeller. Außerdem warb man mit Zentralheizung, Bädern und elektrischem Licht. 1904 erfolgte mit der Melanchthonstraße 5 der Erweiterungsbau. Neben zusätzlichen Fremdenzimmern erhielt das Gebäude einen großzügigen Frühstücksraum, Telefonzelle, Tresor- und Kofferraum, Direktoren- und Portierzimmer. Als Highlight des Erweiterungsbaus galt die dreiläufige Podesttreppe mit einem im Treppenauge angeordneten Personenaufzug.

Am 02.04.1906 meldete Baumeister Max Härtel Insolvenz an. Vermutlich geriet sein Baugeschäft in wirtschaftliche Schwierigkeiten, denn aus den Bauakten geht hervor, dass die Hotel- und Restaurantgeschäfte mehr als gut liefen. An den Wochenenden bereitete beispielsweise die Restaurantküche täglich 1500 Mittagessen zu. Im September 1906 kam es zur Versteigerung, bei der der Gastwirt Julius Tippmann und die Grund- und Hypothekenbank zu Plauen den Zuschlag erhielten. 1920 schloss der Plauener Hof. Nach mehreren Eigentümerwechseln kaufte um 1929 der HNO Arzt Dr. med. Gottfried Lieschke die Gebäude. Der ehemalige Hotelkomplex eignete sich hervorragend für Praxisräume. Nach und nach entwickelte sich der Komplex zu einem Ärztehaus. 1937 verkaufte Lieschke das Ärztehaus an die Kreisstadt Plauen, seine Praxis betrieb er unterdessen im Gebäude weiter. Ab 1938 wurden die Mütterschule und der Jugendzahnarzt der Stadt eingerichtet. Während des zweiten Weltkrieges erfolgte die Integration eines Hilfskrankenhauses, das aus einer inneren, einer chirurgischen und einer dermatologischen Abteilung bestand. 1952 eröffnete man darüber hinaus eine gynäkologisch-geburtshilfliche Abteilung, die der Poliklinik an der Dobenaustraße 14 angeschlossen war. Seit 1945 hatte die Stadt Plauen Am Eichhäuschen zwei Villen als erste Städtische Frauenklinik genutzt. Durch die ungünstige räumliche Zergliederung erfolgte 1967 die Vereinigung der bisherigen Standorte, aus dem sich in den folgenden Jahren das Bezirkskrankenhaus Frauenklinik herausbildete.*

In Folge dessen gab es mehrere Umbaumaßnahmen die neben der baulichen Substanz den medizinischen Bereich stark beeinflussten. Als großes Problem gestaltete sich allerdings die Materialknappheit. Die aus der Erbauerzeit vorhandene Heizung, durch die in den kalten Wintermonaten eine maximale Zimmertemperatur von 15°C erreicht werden konnte, musste dringend erneuert werden. Eine grundlegende Sanierung, die schon Anfang der 1980er Jahre geplant war, konnte bis 1989 nicht erfolgen. 1990 reiften erste Gedanken, die Frauenklinik im Vogtlandklinikum unterzubringen. In der Nacht des 16. Oktober 1998 brachte die aus Theuma stammende Peggy Knoll ihren Sohn Benjamin als letztes Kind in der alten Frauenklinik zur Welt. Nach dem Auszug der Frauenklinik verfielen die Gebäude zusehends. Die Stadt Plauen, als Eigentümer der Immobilie, musste immer wieder Sicherungsmaßnahmen durchführen. Bemühungen, das Gebäudeensemble einer zukunftsweisenden Nutzung zuzuführen, scheiterten, nicht zuletzt an der Komplexität der Gebäudestruktur. 2017 erwarb die Frank Müller GmbH das stark geschädigte Gebäudeensemble. Dank finanzieller Mittel eines Berliner Investors konnte dieses orts- und baugeschichtlich bedeutsame Objekt für die Nachwelt erhalten werden.

* Georg-Michael Fleischer, Im Dienst für die Kranken. Das Plauener Krankenhaus im Spiegel der Medizingeschichte. Vogtland-Verlag Plauen/Jößnitz 2011