August-Bebel-Straße 2–18/ Bahnhofstraße 58/60



Weststraße 39, Plauen

Baujahr: 1953–55  |  Entwurf: Entwurfsbüro für Hoch- u. Industriebau Plauen  | 

Bauherr: Rat der Stadt Plauen (Bezirk Karl-Marx-Stadt) Abt. Aufbau

Weststraße 39, vor der Sanierung

Die damalige Johannstraße, um 1906

Die Johannstraße in 1950er Jahren



1944/45 wurde die Stadt Plauen Ziel zahlreicher Luftangriffe. 75% der kernstädtischen Bebauung wurde dabei vernichtet. Von den rund 400 Gebäuden die sich innerhalb der heutigen Tischendorf-, Karola-, Martin-Luther- und Jößnitzer Straße befanden, waren nur eine Handvoll Häuser stehengeblieben. Die Plauener Bahnhofsvorstadt galt damals als Verwüstungsgebiet. Bis Ende der 1940er Jahre konnte die Beseitigung von Trümmerschutt weitestgehend abgeschlossen werden. In einem von der DDR 1950 erlassenen „Aufbaugesetz § 14” wurde festgelegt, dass „eine Inanspruchnahme von bebauten und unbebauten Grundstücken für den Aufbau und eine damit verbundene dauernde oder zeitweilige Beschränkung oder Entziehung des Eigentums und anderer Rechte erfolgen kann”. Dies war die Grundlage, bis dahin private Grundstücke großflächig zu bebauen. Das „Wohnungsbauprogramm 1953, Bahnhof-, Johann- (heute August-Bebel-Straße), Karl-Marx- (heute Kaiserstraße), Jößnitzer- und Karlstraße” war eines von vielen Bauprojekten, welche sich nach Kriegsende über das gesamte Stadtgebiet verteilten. Für den Bereich nordöstlich der heutigen Straßenbahnhaltestelle Albertplatz sah man dabei einen Wohnblock mit 4 bis 5-geschossiger Bauweise aus Ziegelmauerwerk vor. Die Planungen für dieses Großprojekt übernahm das Entwurfsbüro für Hoch- und Industriebau Plauen unter Leitung des Diplomingenieurs Werner Eisentraut. Von 1954–1956 entstanden somit 19 Wohngebäude mit insgesamt 203 Wohnungen. Die Ausstattung war für die damaligen Plauener Verhältnisse modern. So verfügte jede Wohnung über einen in der Fensternische integrierten Speiseschrank und ein innenliegendes Badezimmer mit Wasserklosett und Badewanne. Das markanteste und zugleich exponierteste Gebäude Bahnhofstraße 60 (Eckgebäude am Albertplatz) verfügte neben den typisierten Standardwohnungen der Deutschen Bauakademie der DDR auch über 4 sogenannte „Intelligenzwohnungen”. Sie hatten eine Größe von knapp 100 qm und waren neben der üblichen Raumaufteilung mit zentraler Diele, einem Arbeitszimmer, einer Loggia, einem Balkon und einer teilweisen Möblierung ausgestattet. Die Erdgeschosse der Bahnhofstraße 58/60 und Johannstraße 2 besaßen aufgrund ihrer zentralen Lage eine große Bedeutung für die Versorgungssicherheit der Plauener Bevölkerung. Mit der HO-Backwaren, HO-Täschnerwaren, HO-Ober- und Untertrikotagen und HO-Kosmetik errichtete die Handelsorganisation (HO) der DDR 4 Verkaufsstellen. 1959 wurde auf der ersten öffentlichen Stadtverordneten-Versammlung die Umbenennung der Johannstraße in August-Bebel-Straße beschlossen.* Herrschten in den DDR-Anfangsjahren noch die Ideen der Moderne (Bauhausstil), so fand in den Folgejahren diese zurückhaltende Architektur keine politische Zustimmung. An diese Stelle sollten repräsentativere Bauweisen treten. Man bediente sich wieder in vergangenen Stilformen und prägte somit den Begriff des „Sozialistischen Klassizismus”, auch Zuckerbäckerstil genannt.** Auch in unserem Beispiel sind diese Einflüsse deutlich erkennbar. 1978 kam der Gebäudekomplex in die Trägerschaft des VEB-Gebäudewirtschaft und mit der Gründung der Wohnungsbaugesellschaft Plauen mbH 1990 in deren Eigentum. Es folgte in den Jahren 1992–1994 die Generalsanierung des gesamten Blocks bei der die Gebäudeinfrastruktur auf die neuen Verhältnisse angepasst wurde. Derzeit finden im Dach-, Balkon- und Fassadenbereich Instandsetzungsmaßnahmen statt, die den Straßenzug in alter Blüte erstrahlen lassen.

* StadtA Pl, A668 Bd.I, ** Wikipedia