Kasernenstraße 7



Bonhoeffer Straße 148, Plauen, Eingangsbereich

Baujahr: 1903  |  Bauherr: Baumeister Reinhard Paul Roßbach  | 

Entwurf: Baumeister Reinhard Paul Roßbach

Bonhoefferstr. 148 vor der Sanierung

Originale Wohnungseingangstüren

Bonhoefferstr. 148, Originalfliesen im Treppenhaus

Ehemalige Backstube

Bonhoefferstr. 148, Fassadenansicht

Das Gebäude vor der Sanierung



Zwischen 1900 und 1903 wurde am westlichen Stadtrand, kurz vor Unterneundorf, für das 10. Königlich Sächsische Infanterieregiment Nr. 134 eine ca. 12 ha große Fläche mit Garnisonsgebäuden bebaut. Im Zuge dessen entstanden ein ganzer Stadtteil und eine komplett neue Infrastruktur. Das Regiment, das zuvor in Leipzig stationiert war und nach Plauen verlegt wurde, brachte neben den Angehörigen der Militärs auch jede Menge Dienstleister mit. Die Kasernenstraße, die zeitgleich errichtet wurde, war komplett auf die Gegebenheiten und Bedürfnisse der Militärs abgestimmt. Fast jedes Gebäude hatte eine Gewerbeeinheit, in der beispielsweise Fleischereien, Bäckereien, Barbiere, Wäschereien, Schneidereien und Plättereien ihre Geschäfte verrichteten. Außerdem beherbergte die Kasernenstraße 25 das Café Hohenzollern und die Nummer 35 das Café Kaiserkrone. Im Erdgeschoss der Kasernenstraße 1, dort wo sich heute die Apotheke befindet, hatte die Militäreffektenhandlung Erler ihre Geschäftsräume. Das Gebäude Kasernenstraße 7, das sich in den homogen bebauten Straßenzug einreiht, errichtete Baumeister Reinhard Paul Roßbach als Klinkerbau. Das Wohnhaus verfügte im Erdgeschoss über eine Ladeneinheit. Durch eine große Durchfahrt gelangte man in den Hinterhof, der ebenfalls bebaut war. Nach der Fertigstellung kaufte der aus Leipzig stammende und extra nach Plauen mitgekommene Bäckermeister Oskar Struve das Gebäude. Mit Hilfe seines Vaters entstand eine Bäckerei mit Ladengeschäft. Außerdem gab es im Hinterhof einen Automobilschuppen, einen Pferdestall und eine aus leichtem Lattenwerk bestehende „Arbeitsbude”. Nach Ausbruch des ersten Weltkrieges hatten insbesondere die um die Kaserne ansässigen Geschäfte die Aufgabe, das Heer mit Lebensmitteln zu versorgen. In Folge dessen nahm Bäcker Struve die Haltung von Schweinen, Hühnern und Enten auf. Unausweichlich wurde ebenfalls die Vergrößerung der Bäckerei. Neben dem Einbau eines größeren, über drei Etagen reichenden, Backofens und der Vergrößerung des Mehllagers wurde unmittelbar an die Hausdurchfahrt ein Bretterschuppen angebaut. Er diente dazu, die Mengen an frisch gebackenem Brot aufzustapeln. Von Seiten der Bauaufsicht war dieses Provisorium zeitlich begrenzt und sollte nach Kriegsende in den ursprünglichen Zustand zurückversetzt werden. Ab 1928 wurde Alfred Renz neuer Eigentümer der Immobilie. Renz war ebenfalls Bäckermeister, übernahm die Bäckerei und führte diese unter seinem Namen fort. Die Geschäfte liefen in den Folgejahren ununterbrochen weiter. Auch den zweiten Weltkrieg überstand das Gebäude ohne nennenswerte Ereignisse. In der Nacht jedoch, zum 15. August 1946, beschädigte ein Brand die Backstube so sehr, dass das Hintergebäude nicht mehr benutzt werden konnte. Als Nachteil dieser Katastrophe erwies sich der über drei Etagen reichende Backofen. Hinzu kam, dass Alfred Renz verstorben war und Plauen in Schutt und Asche lag. Ella Renz, die Witwe des verstorbenen Bäckermeisters, kümmerte sich umgehend um den Wiederaufbau. Im Spätherbst waren die Schäden beseitigt und es konnte wieder gebacken werden. 1947 kam der nächste Rückschlag, der sich allerdings viel gravierender als die Brandkatastrophe auswirkte. Bis 1952 nahm die sowjetische Besatzungsmacht die Bäckerei und das Ladengeschäft in Besitz. Nach Auszug der Russen ging die Bäckerei wieder in Betrieb. 1965 verkaufte Ella Renz das Gebäude an Bäckermeister Horst Kinder, der bis in die Nachwendejahre am Standort produzierte. 2017 kaufte die Frank Müller GmbH die Immobilie. Es folgte anschließend eine Generalsanierung bei der attraktiver Wohnraum entstand. Insbesondere das Backstubengebäude zeigt sich nach dessen Umbau als lebenswerter und beruhigter Wohnbereich.