Leißnerstraße 26



Bonhoeffer Straße 148, Plauen, Eingangsbereich

Baujahr: 1907  |  Bauherr: Baumeister Albert Bauer  |  Entwurf: Baumeister Albert Bauer

Bonhoefferstr. 148 vor der Sanierung

Bauzeichnung des Treppenhauses mit Joly-Treppe, 1907

Bonhoefferstr. 148, Originalfliesen im Treppenhaus

Ansicht der Fassade nach der Fertigstellung 2018

Bonhoefferstr. 148, Fassadenansicht

Fassadenansicht um 1910 mit Luftschild



Die Leißnerstraße 26 gehörte, wie auch das Nachbarhaus Nr. 24, zu einem der typischen Plauener Wohn- und Geschäftshäuser. Während die unteren Geschosse über Arbeitsräume wie Zeichnerei, Musterei, Plätterei, Verkaufs- und Privatkontor und Nähmaschinenräume verfügten, standen die Obergeschosse für Wohnraum bereit. Ein erster Plan wurde 1906 von Baumeister Albert Bauer vorgelegt. Ein zweiter Plan, der Änderungen in der Statik und in der Anordnung des Eingangsbereiches samt Treppenhaus beinhaltete, folgte 1907. Bei allen Geschossdecken wurden, anstatt Holzbalken, 25 cm breite Hohlkammerdielen (Siegwartbalken) eingebaut. Vorteile dieser Dielen waren dabei eine höhere Tragfähigkeit und eine flexiblere Verarbeitung. Weiterhin wurden der Eingangsbereich zentraler platziert und das Treppenhaus diagonal angeordnet. Für die Treppenkonstruktion selbst wählte man die für die damalige Zeit revolutionäre Joly-Treppe von der Firma Eisenwerk Wittenberg. Als bauliche Besonderheit galt hier, dass die schmiedeeiserne Konstruktion nur aus Steckverbindungen besteht. Ein solches Exemplar etwas größerer Dimension befindet sich in der Hainstraße 4. Ein weiteres und für die damalige Zeit übliches Detail war das auf dem Dach befindliche Luftschild. „Gebrüder Albrecht” war in großen Lettern schon von weitem sichtbar. Das Produktionsprogramm der Firma beinhaltete „Spitzen und Kragen mittlerer und besserer Qualität”. Die Besitzverhältnisse blieben für längere Zeit konstant. Adolf Albrecht bewohnte das zweite und Wilhelm Albrecht das dritte Obergeschoss. Mitte der 1930er Jahre gab es mit der Teilung der Wohnung im 2. Obergeschoss bauliche Veränderungen. Außerdem zog die Tapisseriewarenfabrik A. Brachold in die unteren Räume ein. Als Tapisserie bezeichnet man eine Art Bildwirkerei die als Stickerei auf einem gitterartigen Untergrund ausgeführt wird. 1939 erfolgte der Anschluss an das städtische Kanalisationssystem und 1943 musste den Vorgaben des Reichsluftfahrtministeriums Folge geleistet werden. Die Anordnung schrieb vor, dass alle Hausbesitzer im Kellerbereich Mauerwerksdurchbrüche zum jeweiligen Nachbarhaus herstellen mussten, um im Angriffsfall besser flüchten zu können. Am 23.02.1945 wurde das Gebäude bei einem Fliegerangriff total zerstört. Ob sich durch die Mauerwerksdurchbrüche Menschen retten konnten, ist nicht bekannt. Auch unbekannt bleibt die weitere bauliche Historie, da ab 1945 keine Bauakten mehr zur Verfügung stehen. Vermutlich unternahm die Ehefrau des Anfang der 1940er Jahre verstorbenen Adolf Albrecht große Anstrengungen, das Haus einem raschen Wiederaufbau zuzuführen. Das Adressbuch von 1950 verzeichnet ein HO-Lager, die Spitzenfabrik von Carl Höfer, die Textilwarenhandlung von Otto Roch und 14 weitere Bewohner.
2017 begann die Frank Müller GmbH mit der Generalsanierung, bei der attraktiver Wohnraum entstand. Neben einem Aufzug verfügen alle Wohnungen über einen Balkon. Darüber hinaus sind einige Wohnungen mit hochwertigen Einbauküchen ausgestattet.